Rückblick: „mobil gewinnt“-Wettbewerb und 300 Erstberatungen

Im Mai 2017 starteten das Bundesumweltministerium (BMUB) und das Bundesverkehrsministerium (BMVI) gemeinsam die Initiative „mobil gewinnt" zur Unterstützung von Betrieben und Einrichtungen bei der Umsetzung eines betrieblichen Mobilitätsmanagements. Die Initiative wurde durchgeführt mit Unterstützung des ACE Auto Club Europa e.V., des Bundesdeutschen Arbeitskreises für Umweltbewusstes Management (B.A.U.M.) e. V. und der B.A.U.M. Consult GmbH in Zusammenarbeit mit der Deutschen Plattform für Mobilitätsmanagement (DEPOMM) e.V.

Im Mittelpunkt der ersten Phase des Förderprogramms standen ein Wettbewerb sowie kostenlose Erstberatungen für Betriebe und Einrichtungen. Flankiert von vielen weiteren Aktivitäten wie Fach- und Netzwerkkonferenzen und der Entwicklung von Begleitmaterialien erreichte die Initiative eine breite Öffentlichkeit.

Wettbewerb

Den Auftakt der Initiative bildete zwischen Mai und Oktober 2017 der „mobil gewinnt"-Wettbewerb. Hier suchten BMU und BMVI die kreativsten Ideen, welchen Beitrag Unternehmen leisten können, damit Beschäftigte gesund und nachhaltig zur Arbeit kommen und für einen besseren und umweltschonenderen Berufsverkehr. Konzepte einreichen konnten öffentliche und private Unternehmen. So kamen 54 interessante Mobilitätskonzepte aus ganz Deutschland zusammen, von denen 26 von einer hochkarätig besetzen Jury ausgezeichnet wurden.  

Erstberatung

Bis Juli 2018 unterstützte „mobil gewinnt" zudem Betriebe mit kostenlosen Erstberatungen und vielen Anregungen. Bundesweit 300 Unternehmen und Einrichtungen jeder Größe und Branche wurden die Möglichkeiten des betrieblichen Mobilitätsmanagements aufgezeigt und spezifische Empfehlungen für Verbesserungsmaßnahmen erarbeitet – individuell und praxisnah.

Gegenstand der Beratung waren alle Formen der Personenmobilität in Betrieben – von Arbeitswegen der Mitarbeitenden über Fuhrpark, Dienstreisen, Kunden- und Lieferantenverkehre bis hin zu innerbetrieblichen Verkehren. Die Beratung erfolgte nach anerkannten Qualitätsmaßstäben durch unabhängige und erfahrene Mobilitätsberaterinnen und -berater. Die Auswahl der Bewerber, die eine kostenfreie Mobilitäts-Erstberatung erhalten, erfolgte nach mit den auftraggebenden Ministerien abgestimmten Kriterien. Die Betriebe konnten im Bewerbungsformular Schwerpunktthemen und besondere Interessen angeben.

Die Gewinner des Wettbewerbs

Die Preisträgerinnen und Preisträger des Wettbewerbs zeigen die vielfältigen Möglichkeiten des betrieblichen Mobilitätsmanagements unter den verschiedensten Voraussetzungen und Umständen auf.  Drei der Hauptpreisträger zeigen in kurzen Filmen, mit welchen Ideen sie die Jury überzeugen konnten.

BFW Koblenz - CJD Berufsförderungswerk Koblenz gemeinnützige GmbH

Hauptpreisträger der Kategorie Kleine und mittlere Betriebe

Das gemeinnützige Unternehmen plant neben der Anschaffung von Elektroautos und Pedelecs, die mit eigenem Solarstrom geladen werden sollen, u.a. die Förderung von Fahrgemeinschaften und den Bau einer Fahrradverleihstation.

ad agencyservices GmbH

Hauptpreisträger der Kategorie Kleine und mittlere Betriebe

Das Konzept der ad agencyservices GmbH sieht ein Mobilitätsbudget vor, mit dem Mitarbeiter flexibel und selbstbestimmt zwischen Dienstwagen-, Bahn-, Carsharing- und Dienstfahrradnutzung wählen können. Darüber hinaus sollen u.a. Parkplätze in Fahrradstellplätze umgewandelt, Ladestationen errichtet und E-Roller angeschafft werden.

Baugenossenschaft Freie Scholle eG

Hauptpreisträger der Kategorie Kleine und mittlere Betriebe

In ihrem Konzept skizziert die Bielefelder Baugenossenschaft Freie Scholle eG die Idee eines solidarisch finanzierten Mobilitätspaketes für Genossenschaftsmitglieder einer Wohnsiedlung. Dieses Paket umfasst u.a. die Bereitstellung von Leih- und Lastenräder, ÖPNV-Tickets sowie den Bau von Carsharing-Stellplätzen und Ladestationen.

Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte Wohnstadt

Hauptpreisträger der Kategorie Großbetriebe

Das Konzept dieses Frankfurter Betriebes sieht alternative Mobilitätsangebote an Dienststätten und Wohnanlagen vor. Dabei sollen u.a. induktiv aufladbare Pedelecs sowie E-Lastenräder zur dienstlichen und privaten Nutzung bereitstehen. Zur Finanzierung der Räder ist die Einführung des Dienstrad-Leasings geplant. Außerdem möchte das Unternehmen Kredite zur Anschaffung von privaten E-Fahrzeugen bereitstellen.

MV Werften Wismar GmbH

Hauptpreisträger der Kategorie Großbetriebe

Aufgrund steigender Mitarbeiterzahlen möchte das Unternehmen Anreize für die Nutzung des Umweltverbundes schaffen. Dabei plant die MV Werft Wismar GmbH u.a. einen externen Pendlerparkplatz mit Shuttleanbindung, die Bereitstellung von Jobtickets, den Bau von Fahrradstationen sowie eine Online-Plattform für die Bildung von Fahrgemeinschaften.

Alnatura Produktions- & Handels GmbH

Hauptpreisträger der Kategorie Großbetriebe

Das Unternehmen aus Darmstadt konzentriert sich auf die Förderung der ÖPNV- und Fahrradnutzung. U.a. sollen ein Fahrradparkhaus mit Lade- und Reparaturmöglichkeiten, Duschen und Umkleiden errichtet und eine bessere Anbindung an Bus und Bahn geschaffen werden. Darüber hinaus umfasst das Konzept eine Fahrgemeinschaftsbörse und Carsharing-Stationen.

Stadtwerke Bielefeld GmbH

Hauptpreisträger der Kategorie überbetriebliche Verbundprojekte

Das Gemeinschaftsprojekt der Stadewerke Bielefeld Gruppe mit der Stadtverwaltung möchte in den drei den Handlungsfeldern Zweiradmobilität, öffentlicher Verkehr und geteilte Mobilität ihren Mitarbeitern verschieden Optionen auf den täglichen Arbeitswegen anbieten. Welche Angebote und Maßnahmen konkret umgesetzt werden sollen, wird in einem partizipativen Prozess durch die Mitarbeiter/innen selbst erarbeitet.

GARANT Türen und Zargen GmbH

Hauptpreisträger der Kategorie überbetriebliche Verbundprojekte

Mit einer unternehmensübergreifenden Mitfahrbörse und Carsharing-Bussen zielt der Türenhersteller aus dem Gewerbegebiet Erfurter Kreuz darauf ab, den Pkw-Verkehr am Unternehmensstandort zu halbieren. Hierfür möchte das Unternehmen neben der Einführung eines Mobilitätsbudgets und eines Dienstradleasings auch den Ausbau von Radwegen realisieren.

BSH Haushaltsgeräte GmbH

Hauptpreisträger der Kategorie überbetriebliche Verbundprojekte

Um den Parkdruck zu verringern, sieht das Konzept des Unternehmens einen Werksrufbus und einen autonomen Rundbus auf dem Werksgelände vor. Des Weiteren plant die BSH Haushaltsgeräte GmbH Fahrrad- und E-Bike-Stationen zu bauen, E-Fahrzeuge anzuschaffen und eine Mitfahrplattform, die den Anforderungen des Schichtbetriebes gerecht wird, zu realisieren.

WALA Heilmittel GmbH

Hauptpreisträger der Kategorie öffentlich-private Kooperationen

Fünf Betriebe, die Gemeinde Bad Boll und die FH Bielefeld verfolgen gemeinsam einen ganzheitlichen Ansatz zur Förderung nachhaltigen Mobilitätsverhaltens. Neben konkreten Verbesserungen der lokalen Rahmenbedingungen für umweltfreundliche Verkehrsmittel sollen Mitarbeiter- und Gästeverkehre bewusst gesteuert und ein kollektiver sozio-kultureller Lernprozess initiiert und wissenschaftlich evaluiert werden.

Forschungszentrum Jülich GmbH

Hauptpreisträger der Kategorie öffentlich-private Kooperationen

Das Forschungszentrum Jülich plant, Mitarbeitern einen On-Demand-Pendlerservice mit Bussen bereitzustellen. Die intelligent gerouteten Fahrzeuge sollen mit Arbeitsplätzen und W-LAN ausgestattet und vom Nutzer per App buchbar sein.

Kommunalunternehmen Stadtwerke Pfaffenhofen a. d. Ilm

Hauptpreisträger der Kategorie öffentlich-private Kooperationen

Die Stadtwerke Pfaffenhofen konnten die Jury mit einem Carsharing-Konzept überzeugen. Eigene Mitarbeiter, Beschäftigte fremder Betriebe und Bürger sollen Fahrzeuge, Pedelecs und Lastenräder des Unternehmens in Zukunft über ein Carsharing-System nutzen können. Darüber hinaus sieht das Konzept u.a. ein Mobilitätsbudget vor sowie eine Abwrackprämie, um den Kauf von Elektroroller anzukurbeln.

Die weiteren Preisträger des mobil gewinnt-Wettbewerbs:

Kategorie Kleine und mittlere Betriebe (KMU):

  • Technische Werke Schussental GmbH & Co KG
  • BBDO Düsseldorf GmbH
  • Markt & Service gGmbH

Kategorie Großbetriebe:

  • Bayer AG
  • Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW
  • WEMAG AG
  • Katholischer Hospitalverbund Hellweg GmbH
  • Landkreis Holzminden
  • LTB Leipziger Transport und Logisitk Betriebe
  • Finanzamt Offenburg

Kategorie überbetriebliche Verbundprojekte:

  • Konzept-e für Bildung und Soziales GmbH
  • Stadtwerke Sigmaringen
  • Thüga-AG

Kategorie öffentlich-private Kooperationen:

  • Stadt Dortmund

Die Jury zum Wettbewerb

Der hochkarätig besetzten Jury zum Wettbewerb gehörten Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Verbänden und Forschung an. Sie bewertete die eingegangenen Wettbewerbsbeiträge und wählte – mit Stimmenmehrheit – die Preisträger.

Die Jury-Mitglieder im Überblick:

  • Uwe Brendle
    Referatsleiter Umwelt und Verkehr, Elektromobilität, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit
  • Prof. Dr. André Bruns
    Fachgebiet Mobilitätsmanagement und Verkehrsplanung, Hochschule RheinMain
  • Dr. Katrin Dziekan, Fachgebietsleiterin Umwelt und Verkehr, Umweltbundesamt (UBA)
  • Dr. Florian Eck, Stellv. Geschäftsführer des Deutschen Verkehrsforums (DVF)
  • Niels Hartwig, Referatsleiter Personenverkehr, Öffentliche Verkehrssysteme, Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI)
  • Anne Klein-Hitpaß, Projektleiterin Städtische Mobilität, AGORA Verkehrswende
  • Thomas Kiel, Fachreferent Verkehr, Deutscher Städtetag
  • Volkhard Malik, Geschäftsführer des Verkehrsverbund Rhein Neckar GmbH (VRN)
  • Christoph Petri, Leiter der Projektbüros Mittelstandsinitiative Energiewende und Klimaschutz, Deutscher Industrie- und Handelskammertag (DIHK)
  • Dr. Susanne Rühle, Referentin Geschäftsfeld Standortpolitik, Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt am Main
  • Martin Stuber, Referatsleiter Infrastruktur- und Mobilitätspolitik, Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB)